Gemälde: Georg Friedrich Brackebusch, o.J [1840er-Jahre]
Privatbesitz Torsten Krüger

- Porträt Georg Friedrich Brackebusch, Öl auf Leinwand, Höhe 38 cm, Breite 31 cm
- Porträt Wilhelmine Dorette Brackebusch, geborene Hemmerde, Öl auf Leinwand, Höhe 38 cm, Breite 31 cm
Die beiden Gemälde des Ehepaars Brackebusch sind der Öffentlichkeit bislang unbekannt. Sie befinden sich im Privatbesitz von Torsten Krüger, eines Ur-, Ur-, Ur-Engels der Eheleute Brackebusch. Wann die Bilder gemalt wurden, ist nicht bekannt. Einiges spricht für die 1840er-Jahre. Wer die Porträts gemalt hat, konnte bisher ebenfalls nicht ermittelt werden. Die Bilder sind nicht signiert.
Zu beiden Personen gibt es auf der Rückseite der jeweiligen Bilder eine handschriftliche Auskunft, die erst nach dem vermerkten Todesjahr 1883 verfasst wurden:
Georg Friedrich Brackebusch, geb. 20.VI.1799. gestorb. 3.VII.1883.
Tapetenfabrikant zu „Leinau“ vor Hannover.
War im Jahre 1848 Mitglied des Parlaments zu Frankfurt am Main.
Frau Wilhelmine, Dorette Brackebusch, geborene Hemmerde,
geboren 18.IX.1810, gestorben 19.VI. 1883.
Ehefrau des Tapetenfabrikanten Georg Friedrich Brackebusch
zu Leinau vor Hannover, geboren 20.VI.1799. gestorben 3.VII.1883.
Heute erinnern in Linden an die Familie Brackebusch noch der Brackebuschgarten und die Brackebuschstraße. Die Straße, die auf die Dornröschenbrücke zuführt, wurde 1928 nach dem Tapetenfabrikanten Georg Friedrich Brackebusch benannt. Auf dem Gelände zwischen Brackebusch- und Leinaustraße, am südlichen Leineufer, stand bis Ende der 1950er-Jahre die Tapetenfabrik. Laut Adressbuch von 1958 war der Sitz der Georg Friedrich Brackebusch GmbH, Tapeten und Linoleum in der Herschelstraße 5A. Das Fabrikgebäude wird 1958 noch unter der Adresse Leinaustraße 27 geführt. Als Eigentümer des Fabrikgebäudes sind Brackebusch´s Erben verzeichnet, als Verwalter ist W. Krüger angegeben. Unter Leinaustraße 27 ist im Straßenverzeichnis von der Familie Brackebusch lediglich Cordfriedrich Brackebusch, Raumgestalter aufgeführt.
Die Tapetenfabrik in den nördlichen Lindener Feldmark wurde bereits 1830 von Georg Schütz errichtet, einem Kaufmann aus Hannover. Fünfzehn Jahre später, 1845, übernahm Georg Friedrich Brackebusch die Fabrik. Allerdings findet sich später in Anzeigen der Georg Friedrich Brackebusch GmbH der Zusatz: gegründet 1848.
Der umtriebige Unternehmer Georg Friedrich Brackebusch machte die Tapentenfabrik „Leinau“ zu einem florierenden Betrieb. Er hatte sich schon in jungen Jahren bei den Freimaurern engagiert und verfügte über weitreichende Kontakte. Im Kreis der hannoverschen Unternehmer und Industriellen war er hoch angesehen, er brachte es zum Präsidenten der hannoverschen Handelsvorstandes. Der Höhepunkt seiner Karriere war aber 1848 der Einzug in die Nationalversammlung in Frankfurt als Vertreter des 2. Wahlkreises Hannover. Von Mai 1848 bis Mai 1849 nahm er an den Versammlungen und Ausschusssitzungen des Paulskirchenparlaments in Frankfurt am Main teil. Zur Vorbereitung der Sitzungen bildeten sich zahlreiche Fraktionen. Brackebusch schloss sich keiner dieser Gruppierungen an, er setzte sich als fraktionsloser Abgeordneter für einen ungehinderten Handel ein, frei von hinderlichen Zollschranken.
Wie Brackebusch seine politischen und seine unternehmerischen Aktivitäten miteinander vereinbaren konnte, ist nicht bekannt. Kurz vor der Frankfurter Zeit ist er als Teilhaber in die Tapetenfabrik eingestiegen. Im Adreßbuch von 1848 findet sich folgender Eintrag:
Brackebusch, Georg Friedr., Associé der Tapetenfabr. v. Georg Schütz & Comp., Knochenhauerstr. 36.
Im Adreßbuch von 1856 heißt die Fabrik dann Brackebusch & Herting, Tapetenfabrik. Firmensitz ist die Köbelingerstra. 52. I. Die Fabrik ist im Straßenverzeichnis unter Limmerstraße 4 [!] aufgeführt:
Brackebusch & Herting, Fabrikant. („Leinau“.) (Tapetenfabrik.) Dyes, Verwalter. Eckhardt, Colorist. Weigel, Fabrikarb. (Anm.: für die Limmerstraße werden 1856 nur 12 Nummern genannt !)
Mit dem Malermeister K. F. L. Herting (1803-1879) holte sich Brackebusch einen hoch angesehenen Fachmann als neuen Teilhaber. Herting hatte 1839 in Einbeck eine Tapetenfabrikation aufgebaut, die wegen ihrer hohen Qualität einen hervorragenden Ruf hatte. Wie lange die Zusammenarbeit mit Herting währte, ist nicht bekannt. Wenige Jahre später lautet der Eintrag im Adreßbusch von 1861:
Brackebusch, Geo. Friedr., Kaufm., Tapeten- u. Rouleauxfabr., Niederlage: Osterstr. 15;
Fabrik u. Privatwohnung: Nedderfeld 18.
Anscheinend hatte Familie Brackebusch ihren Wohnsitz jetzt nach Linden verlegt.
Georg Friedrich Brackebusch jun., der Sohn von Wilhelmine Dorette und Georg Friedrich Brackebusch stieg in den 1870er-Jahren in die Firma ein. 1878 findet sich im Adressbuch unter Limmerstraße 18 folgender Eintrag:
Brackebusch, G. Fr., Fabr. („Leinau“)
Brackebusch jun. Vierthaler Kommis.
Die Leinaustraße gibt es in dem Adressbuch gar nicht mehr.
War die Tapetenfabrik zwar in Linden, so war der Firmensitz mit unterschiedlichen Adressen immer in Hannovers Innenstadt. Mit dem sogenannten Haus Brackebusch errichtete sich der Unternehmer 1881 an zentraler Lage an der Georgstraße, Ecke Karmaschstraße selbst ein Denkmal (das repräsentative Haus wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört). Als Architekten konnte er Hubert Stier gewinnen, der noch am Anfang seiner Karriere stand. In Hannover war er durch den neuen Hauptbahnhof bekannt, später nach 1881 hat sich Stier durch zahlreiche weitere Bahnhofsbauten einen Namen gemacht.
Wilhelmine Dorette starb am 19. Juni 1883 im Alter von 72 Jahren. Zwei Wochen später starb mit 84 Jahren auch ihr Ehemann Georg Friedrich. Über die Todesursache beider Eheleute ist nichts bekannt.
(WE)
Ort: Leinaustraße 27 ; Limmerstraße 4 ; Nedderfeld 18 Personen: Brackebusch, Georg Friedrich; Brackebusch, Wilhelmine Dorette, geb. Hemmerde; Krüger, W.; Brackebusch, Cordfriedrich; Schütz, Georg; Herting, K. F. L.; Brackebusch, Georg Friedrich jun.





