Führer: Durch Hannover, Linden und Umgegend, 1898

zum Verbandstag der Fleischerinnung der Königl. Haupt- und Residenzstadt Hannover

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Fleischerinnung der Königl. Haupt- und Residenzstadt Hannover (Hg.), Führer durch Hannover, Linden und Umgegend, Verlag von Otto Borgmeyer´s Buchhandlung und Antiquariat, Geogstraße 4, Hannover 1898

Der Deutsche Fleischer-Verbandstag ist seit der Gründung des Verbandes im Jahre 1875 unverzichtbarer Pflichttermin der fleischerhandwerklichen Berufsorganisation“, so ist 2026 noch auf der Website des Deutschen Fleischer-Verbandes e.V. zu lesen.

Als sich 1898 die deutschen Fleischerei-Betriebe in Hannover zu ihrem 21. Verbandstag versammelten, scheute die gastgebende Hannoversche Fleischer-Innung weder Kosten noch Mühen und brachte einen eigenen Führer durch Hannover und Umgebung heraus. Vermutlich wurde allen Teilnehmern ein Exemplar geschenkt. Auf der Titelseite steht in Gold geprägt: Erinnerung an Hannover. Verbandstag 1898. Die Signatur des Buchtitel-Grafikers ist kaum zu entziffern [Dörrier ?].

Auf der Rückseite des Innentitels befindet sich ein Verzeichnis aller Inserenten. Darunter sind nur wenige Annoncen, die sich nicht auf Ausstattung, Maschinen, Berufsbekleidung, Handel und Transport im Umfeld des Fleischerei-Gewerbes einordnen lassen. [1] 

Vier Annoncen haben einen Bezug zu Linden / Limmer:

Der Band enthält einen kurzen Abschnitt zu Linden (S. 45/46) und einen zu Limmer (S.48).

Die meisten der heute blühende großen Fabriketablissements verdanken ihr Entstehen den vorgenannten Herren Egestorff, so die später vom Eisenbahnkönig Strußberg [Strousberg] übernommene erweiterte Hannoversche Maschinenfabrik, die chemische Fabrik, die Salinenwerke, die Zündhölzchenfabrik und die Ultramarinfabrik.“

Es wird auf die Möglichkeit hingewiesen, vom Schwarzen Bären aus alle 10 Minuten mit der electrischen Bahn schöne Ausflüge zum Benther Berg zu machen.

Zu Limmer heißt es: „Limmer ist ein an sich unbedeutendes Dorf, aber viel besucht wegen seiner ländlich schönen Lage.“ Zur Erreichbarkeit wird auf das Dampfschiff von der Ihmebrücke zur Schwanenburg hingewiesen. Der kurze Text schließt mit einem Hinweis auf den namhaften Prediger Sackmann und dass seine Predigten von derber Originalität für 1 Mark in allen Buchläden erhältlich sind.                                   

Auf den Seiten 22-26 wird den Teilnehmern der Verbandstagung ein guter Überblick über das gesamte Verkehrswesen der Stadt Hannover im Jahre 1898 gegeben: Droschken, Pferdebahnen, elektrische Straßenbahn, Dampfschiff (Ihme), Dienstmänner.  Auf S. 23 sind die Straßenbahnverbindungen im Überblick und man kann sehen, wann der letzte Nachtwagen fährt. Die Droschken-Tarife sind nach Tour-Fahrten und Zeit-Fahrten angegeben. Bei den Tarifen für Dienstmänner wird zwischen bestimmten Gängen und bestimmten Zeiten differenziert.

Der Band enthält vor S. 49 eine von Eduard Gaebler gezeichnete Karte im Maßstab 1:125 000.
(WE)
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[1] Der 32 Seiten umfassende Anzeigenteil am Ende des Bandes ist ein gutes Beispiel für die aufwendige Anzeigen-Werbung am Ende des 19. Jahrhunderts. Jede einzelne Annonce kann man unter kulturgeschichtlichen Aspekten mit Genuss betrachten. Hier nur einige wenige ausgewählte Beispiele:

- Wie man der Annonce (S. 14) der Fahrradwerke Adler entnehmen kann, gab es Lastenräder schon vor 1900. Die Frankfurter Fahrradwerke hatten eine Fabrik-Niederlage in der Georgstraße.

- Arbeitskittel, Kundschaftskittel, Schlacht- und Laden-Messer, Haubeile, Sägen waren in der Schmiedestraße bei Lieberknecht zu bekommen (S. 15).

- Die älteste Fleischerei-Wäschefabrik in Hannover gehörte Heinrich Flohr in der Osterstraße 6 (S. 18). Heute würde man sagen, dass Flor auch einen Versandhandel betrieb, denn die Special-Artikel wurden nach allen Orten des deutschen Reiches geliefert: Fleischerkittel, Röcke, Jacken, Schürzen und sämtliche Stoffe auch als Meterware. Etwas bedrohlich wirkt der abgebildete Metzger mit dem Hackebeilchen.

- Allein das Sortiment vom größten Darmlager von David Stern befand sich in der Marstallstraße 34 (S. 19).  Hier eine Auswahl: Kranz- und Mitteldärme, Ochsenbutten, Schlachthaus-Fettenden, mild gepökelte Schweinezungen, gesalzene Ochsenzungen, fetter Speck, Carbonade, Nacken, Hinterschinken (in vorzüglicher frischer Waare, hier auf Trichinen untersucht), Conserve-Salze, Meat-Preserve, Wurströthe.  

Aber lesen Sie selbst!

Urheber: Fleischerinnung der Königl. Haupt- und Residenzstadt Hannover
Lizenz: CC0
Sammlung: Engel / Franke
Zeitliche Einordnung: 1898
Ort:
Personen: Sackmann, Jacob