Foto: Tante-Emma-Laden Farbowski (1), Otto Farbowski, um 1958

Meine 2025 verstorbene Tante Vera Demmer, geb. Ebers erlernte im Geschäft von Farbowski in der Nedderfeldstraße den Beruf der Verkäuferin. Die drei Fotos stammen aus einem Fotoalbum ihrer Familie.
Bild 1: Otto Farbowski
Bild 2: Verkäuferin bedient eine Kundin
Bild 3: Besonderheit Kühltruhe
Kurz nach dem Zweiten Weltkrieg öffnete in der Nedderfeldstraße 20 in Linden-Nord ein kleiner Tante-Emma-Laden seine Türen. Betrieben wurde er vom Ehepaar Farbowski, das mit viel Engagement und Herzblut die Nachbarschaft mit Lebensmitteln versorgte. Wie damals üblich, immer im weißen Kittel.
Anfangs handelte es sich um einen klassischen Bedienungsladen: Die Kundinnen und Kunden traten an den Tresen, äußerten ihre Wünsche und ließen sich die Waren von Hand abwiegen und zusammenstellen.
Das Sortiment war überschaubar, aber zuverlässig – es gab Grundnahrungsmittel, Konserven und Gewürze. Frisches Obst und Gemüse oder Drogerieartikel gehörten dagegen nicht zum Angebot. Vieles wurde lose verkauft: Essig oder Senf füllte man in mitgebrachte Flaschen, Butter kam direkt aus dem Fass und wurde auf die Wunschmenge abgeschnitten. Wer Lust auf ein süßes Getränk hatte, brachte einen Becher mit und ließ sich Himbeersaft einfüllen. Auch eine kleine Käsetheke gehörte dazu – der Käse wurde vom großen Block abgeschnitten und sorgfältig eingewickelt. Eine Besonderheit damals war die Tiefkühltruhe.
In der unmittelbaren Umgebung war die Nahversorgung bestens organisiert: Schräg gegenüber in der Nedderfeldstraße 9 befand sich eine Schlachterei, an der Ecke zur Elisenstraße ein Obst- und Gemüsegeschäft, und auf der gegenüberliegenden Seite eine Bäckerei. Die nächste Drogerie lag auf der Limmerstraße. Wie überall in jener Zeit war das Einkaufen eine persönliche Angelegenheit – man kannte sich, tauschte Neuigkeiten aus und erledigte seine Besorgungen an der Theke. Das Einzugsgebiet des Ladens war überschaubar – hauptsächlich kamen die Nachbarn aus der unmittelbaren Umgebung. Der nächste Lebensmittelladen war bereits an der Kreuzung Leinau-/Struckmeyerstraße.
Die Waren für „Edeka Farbowski“ wurden bereits früh per LKW geliefert. Ende der 1950er Jahre stellte das Ehepaar auf Selbstbedienung (SB) um – ein moderner Schritt, der den Einkauf erleichterte. Dennoch blieb einiges beim Alten: Lose Ware musste weiterhin abgewogen werden.
Eine kleine Besonderheit war der separate Milchraum, der später eingerichtet wurde. Dort durfte nur das Verkaufspersonal hinein, denn der Verkauf von Frischmilch aus dem Hahn war streng geregelt. Die Verkäuferin füllte die gewünschte Menge in die mitgebrachte Milchkanne und reichte sie dem Kunden durch ein kleines Fenster zurück – ein Ritual, das vielen Lindenern noch heute in Erinnerung geblieben ist.
Mit dem Aufkommen der großen Supermärkte in den 1970er Jahren änderte sich das Einkaufsverhalten grundlegend. Auch Edeka Farbowski bekam den Wandel zu spüren: Die Umsätze sanken, die Kundschaft wurde weniger. Ende der Siebziger ging das Ehepaar Farbowski schließlich in den wohlverdienten Ruhestand – ein Nachfolger fand sich nicht mehr.
So verschwand ein weiteres Stück der alten Lindener Einkaufswelt, wie so oft in dieser Zeit. Doch viele, die damals dort einkauften, erinnern sich noch heute an den vertrauten Duft des Ladens, das freundliche „Was darf’s denn sein?“ und an die warme, persönliche Atmosphäre – typisch für die Tante-Emma-Läden jener Zeit.
(SE)
Ort: Nedderfeldstraße 20 ; Nedderfeldstraße 9 ; Elisenstraße Personen: Farbowski, Otto






