Mitgliedskarte: Flachglasschleifer Vereinigung, 1934
Hermann Rosenthal, Dieckbornstraße 11
Am 2.3.1934 trat der Glasschleifer Hermann Rosenthal aus der Dieckbornstraße 11 der Vereinigung der handwerklichen Flachglasschleifereien und Belegereien Deutschlands bei. Der Verband hatte seinen Sitz in Berlin.
(JV)
Anmerkung der Redaktion
Heute kann sich kaum noch jemand vorstellen, was genau eine Flachglasschleiferei oder eine Belegerei ist. Auch die Begriffe Flachglas und Hohlglas sind heute jungen Menschen kaum noch geläufig. Ganz grob lässt sich sagen, dass unter den Begriff Hohlglas Gefäße und Verpackungen aus Glas fallen. Zum Flachglas zählen vor allem Scheiben, aber auch Spiegelglas.
Wie vielfältig die Berufe waren, die sich mit der Herstellung und Verarbeitung von Glas befassten, zeigt das Branchenverzeichnis des Adressbuchs von 1934. Dort findet man unter „Glas“ allein 13 verschiedene Gewerbe:
- Glas (Tafel u. Spiegelglas) - Handel
- Glasartikel für technische Zwecke
- Glasätzer
- Glasbläsereien
- Glasdachbau
- Glaser
- Glas-Ersatz-Plakate (Vertretungen)
- Glasgraveure
- Glashütten
- Glas-, Kristall- u. Porzellanwaren
- Glas- u. Gebäudereinigungsgeschäfte
- Glasreinigungsinstitute
- Glasschleifereien
Unter diesen Rubriken sucht man den Betrieb von Hermann Rosenthal vergeblich. Den findet man dann unter dem Buchstaben „S“. Dort sind zwei „Spiegelbelegereien“ verzeichnet, ein Eintrag davon lautet: Hermann Rosenthal, Dieckbornstraße 11.
In den folgenden Jahren wurde der Betrieb von Herman Rosenthal in den Adressbüchern immer als Glasschleiferei und Spiegelbelegerei bezeichnet.
Im Branchenverzeichnis im Adressbuch von 1941 gibt es fast eine ganze Seite mit allen möglichen mit Glas arbeitenden Berufen. Unter den acht für Hannover eingetragenen Glasschleifereien finden sich allein fünf in Linden/Limmer:
- Spinnereistr. 11: Aachener Spiegel-Manufactur E. Hellenthal & Cie.
- Stärkestr. 21: Paul Hause
- Eppersstr. 2: Oelker, C. u. H. (siehe Anmerkung unten von Dieter Berlin)
- Dieckbornstr. 11: Hermann Rosenthal
- Ihmebrückstr. 3A: „Venetia“
Die Glasschleiferei in der Dieckbornstr. 11 ist im Adressbuch von 1958 nur noch im Namensverzeichnis aufgeführt, sie taucht bei den Branchen nicht mehr auf.
Zur Vielfalt der Gewerbe rund ums Glas liefert das Hannoversche Gewerbe-ABC (Ludwig Hoerner: Agenten Bader und Copisten, Hannover 1995) interessante Details auf fünf Seiten.
(Red.)
Anmerkung von Dieter Berlin, Enkel von Hermann Rosenthal
Die Glasschleifereien und Spiegelbelegereien Oelker und Rosenthal waren ursprünglich als Rosenthal & Oelker verbunden, die Inhaber waren verschwägert. Meine Großmutter Helene war eine geborene Oelker. Der Betrieb befand sich in der Eppersstraße in Limmer. Nach einem Zerwürfnis machte Großvater Rosenthal in der Dieckbornstraße einen eigenen Betrieb auf, der Betrieb in der Eppersstraße wurde nach dem Krieg bis in die 1980er-Jahre von Friedrich Schomburg weitergeführt, der seinerzeit von meinem Großvater ausgebildet worden war. Hermann Rosenthal hatte anno 1927 seine Glasschleifer-Meisterprüfung erfolgreich abgelegt, der Meisterbrief hängt in meiner Werkstatt.
Meine Mutter Hildegard, deren Bombenpass vorliegt, war eine geb. Rosenthal. Mein Vater hat nach Kriegsende quasi den Betrieb seines Schwiegervaters, der 1948 verstarb, übernommen.
(DiB)
Lizenz: CC0
Sammlung: Materialien ohne Sammlung
Ort: Dieckbornstraße 11 ; Eppersstraße 2 ; Spinnereistraße 11 ; Stärkestraße 21 ; Ihmebrückstraße 3A Personen: Rosenthal, Hermann



