Textheft: De blue Mondag [Fössebad], o.J. [um 1900]

Pladdütsche Schnurre von Fr. Rohde mit Bildern von R. Schaumann

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De blue Mondag
Pladdütsche Schnurre von Fr. Rohde mit Bildern von R. Schaumann
Selbstverlag o.O. [Hannover ?] o.J. [um 1900]
Das kleine Textheft hat das Format 10 x 15,5 cm.

Wann genau diese Schnurre von Fr. Rohde erschienen ist, konnte nicht ermittelt werden, vermutlich um 1900. Ein Vergleich mit der Zeichnung auf dem Titelblatt (von R. Schaumann) mit einer Ansichtskarte von 1907 lässt auf eine zeitliche Übereinstimmung schließen. Außerdem war Friedrich [Fritze] Miehe, der in dieser Geschichte auch vorkommt, um die Jahrhundertwende der Betreiber des Fössebades und des dortigen Restaurants.

Den Ort der Handlung, das abseits der Stadt gelegene Fössebad, kannte damals anscheinend jeder. Die Schnurre wird mit einer rhetorischen Formulierung eingeleitet:

Wer kennt woll nich dat Fössebad?
En lütchen Enne von der Stadt.
Da liegt et hinner gräunen Büschen
Und Bömen – Na! so midden zwischen.
Da kohmt de Städters wie dei Bouren
Un maaket allerhande Kuren:
Se lat seck unn de Sunnen bra´n –
Manch einer kann dat nich verstahn-.
Se kriegt ´ne ganze brune Huut,
Wie Indianders seiht se ut.

Damit ist der lokale Bezug eindeutig hergestellt. Es geht um die Städter, die am Blauen Montag auf Schusters Rappen ins ferne salt´ge Fössebad pilgern. Was der Schneider Kunrad Lüttje, der auch mal einen Tag Blaumachen wollte, im Fössebad mit einer großen Wasserspritze angestellt und wie er den Besitzer Fritze Miehe verärgert hat, wird bis ins kleinste Detail beschrieben.

Auch wenn uns heute der Humor dieser mundartlichen Schnurre ein wenig fern liegt, so kann man über die ein oder andere Formulierung schon schmunzeln. Die Story hat ein Happy End: Schneider und Wirt werden Freude und trinken zusammen das ein und andere Bier.

Nu frag´ eck einen: Kannt im Leben
Ein scheuern bluen Mondag geben??!!

Es gibt zahlreiche sprachliche Wendungen, in denen vom Blaumachen und vom Blauen Montag die Rede ist. In der Regel ist damit gemeint, dass man nicht zur Arbeit geht, auch unabhängig vom Wochentag. Für die Herkunft dieser Redensart gibt es vielfältige Erklärungen. Welche davon historisch korrekt ist, könnte Stoff einer Doktorarbeit sein. Bevor wir nun blauäugig einfach ins Blaue spekulieren, hier ein paar Hinweise.

Einige Erklärungen kreisen um den Konflikt zwischen Meistern und Gesellen um die Tage, bei denen die Gesellen die Arbeit ruhen ließen. 1681 wurde z.B.  in einer Ordnung der Schreinergesellen in Trier den Gesellen der blaue Montag verboten: „Wan ein gesell einen muthwilligen blauen Montag oder ansonsten einen anderen Tag in der Wochen dazu nimbt, so soll der Meister ihme einen halben Wochenlohn dafür abziehen dürfen.“

In einer feiertagslosen Woche sah die Work-Life-Balance der Gesellen nicht so gut aus. Einen arbeitsfreien Tag zu erstreiten hat einen langen Kampf gekostet. Der Blaue Montag wurde von der Obrigkeit auch abwertend als Krugtag bezeichnet, weil den Gesellen ein liederliches Leben mit Trinkgelagen unterstellt wurde. Andere Gegner des Blauen Montags befürchteten, dass sich die Gesellen bei ihren Treffen gegen die Meister verbünden könnten.

Eine andere Erklärung für das Blaumachen wird mit dem Handwerk der Blaufärber in Verbindung gebracht. Danach musste angeblich beim Färben mit Indigo während der Oxydation eine längere Pause eingelegt werden, in der Zeit für Müßiggang war. In einem Faltblatt über Redewendungen zum Blaumachen aus der Blaudruckerei Jever heißt es:

Die notwendige, stunden- oder tagelange Oxydation, das heißt, das Warten auf die Blaufärbung, bescherte ihnen dann aber einen etwas geruhsameren Tagesablauf – sie lagen auf der Färberwiese und ließen Licht und Luft für sich arbeiten und auf diese Weise wurde (am Montag) „Blau gemacht“ … am Montag hatten die Färbergesellen nichts anderes zu tun, als die Weibersleut über die Wiese zu jagen.

Das klingt schön, aber am Ende des Faltblattes wird unter der Überschrift „Warum Blaumachen nicht aus dem Färberhandwerk stammen kannaufgeklärt:
Realität: Die Reoxydation einer Küperfärbung mit Indigo dauert 5 bis max. 15 Minuten“.
(WE)

siehe auch zum Färben mit Ultramarin

Urheber: Rohde, Fr. (Text) / Schaumann, R. (Illustrationen)
Sammlung: Engel / Franke
Zeitliche Einordnung: 1900
Ort: Fössebad
Personen: Miehe, Friedrich