Zeitungsartikel: Ballon Wettfliegen der Blauen Rabatt-Marke, 1972
Das Lindenblatt Nr. 58

Wenn man davon spricht, dass es in Linden mal die Blauen und in Hannover die Roten gegeben hat, dann hat das weder etwas mit Fußball noch politischen Gruppierungen zu tun. Es geht schlicht und ergreifend um Rabattmarken. In Linden gab es die Blauen, die von der Lindener Volksbank ausgegeben wurden. „Hannover hatte die roten Marken und dies war damals gut, so konnten die Markthallen-Kunden mit ihren roten Marken nicht zu den Lindenern kommen, um sie einzulösen; denn ein Buch durfte nur eine Sorte Marken haben.“ (Albert Hartmann, Chronik Verein der Fleischermeister der ehemaligen Stadt Linden, limitierte Auflage 2001)
Das Rabattmarken-Sammeln war ein frühes Instrument der Kundenbindung, das zu Beginn des 20. Jahrhunderts – ausgehend von den USA – entwickelt wurde. Vor dem Ersten Weltkrieg führten einige Warenhäuser Rabattmarken ein und es entstanden die ersten Rabatt-Sparvereine. Der Lindener Rabatt-Sparverein war mit bei den ersten, er wurde bereits 1904 gegründet.
Das Anlecken und Aufkleben der Marken in kleine Sammelhefte kam in Deutschland aber erst ab den 1930er-Jahren richtig in Schwung. In den 1980er-Jahren wurden die Rabattmarken durch andere Rabatt-Systeme abgelöst. Heute ist das Sammeln von Payback-Punkten und der Einsatz von elektronischen Medien nur ein Vorwand, um Daten über die Kunden zu sammeln.
In den 1970er-Jahren hat man in Linden mit Werbung und Marketing-Aktionen versucht, den Kauf der Blauen anzukurbeln. Der Bericht über das Ballon Wettfliegen der Blauen Rabatt-Marke im Lindenblatt (1/1973) zeigt, dass auch Kinder und Jugendliche in die Werbekampagne einbezogen wurden. Schon früh sollten sie lernen, „daß es sich immer noch lohnt, dort den Einkauf zu tätigen, wo die Blaue ausgegeben wird und zum Sparen Anlaß gibt“.
Organisiert von der Interessen-Gemeinschaft Lindener Schützen und dem Rabatt-Sparverein Linden von 1904 konnten Kinder auf dem Schützenfest an der Steigertahlstraße mit ihren Luftballons an einem Wettfliegen teilnehmen. Die Preisträger wurden dann im November 1972 bei einer Feier bei Rackebrandt ausgezeichnet. Die Luftballons der beiden Erstplatzierten Carsten Zimmermann und Holger Sievers flogen bis nach Belgien.
Vorsitzender der Interessen-Gemeinschaft Lindener Schützen war 1972 Rudi Flechsig, dem Rabatt-Sparverein Linden von 1904 standen derzeit Friedrich Grotsch (1. Vorsitzender) Hans-Joachim Ulrich (2.) vor.
Siehe auch Werbe-Slogan: Vertrauen zur Blauen.
(WE)
Nachtrag:
Aufgrund dieser Zeitungsmeldung aus dem Lindenblatt von 1972 wollte ein Mitglied des Arbeitskreises DISTA LL wissen, ob es sich bei dem angesprochene 2. Preisträger, Holger Sievers, um einen alten Freund handelt, der schon seit Jahren nicht mehr in Linden lebt. Er schrieb ihn an und bekam folgende Antwort:
Tatsächlich hat mein Ballon damals den zweiten Preis gewonnen. Ich erinnere mich noch, wie ich voller Stolz mit meiner Mutter zur Preisverleihung in die Gaststätte Rackebrandt gegangen bin, und mir die Wirte mitteilten, dass die Preisverleihung am Vortag stattgefunden hatte. Meine Mutter hatte sich im Termin geirrt, und ich war maßlos enttäuscht. Der Gewinn war 50 DM, die ich in den Lindener Geschäften für Spielsachen oder so eigenständig ausgeben durfte. Viel Geld!
An das Bekleben der Rabatthefte kann ich mich noch gut erinnern. Wir haben immer Lebensmittel bei Lampe eingekauft (Ahlemerstr. Ecke Velberstr.) und dafür Rabattmarken bekommen. Lampe wurde später durch die Klopapierdekoration in Linden berühmt, konnte sich aber nicht gegen die Supermarktkonkurrenz wehren.
Und noch ein weiterer Stein wurde durch den Bericht ins Rollen gebracht. Es stellte sich nämlich heraus, dass Holger Sievers um die Jahrtausendwende für das Archiv in der Beethovenstraße bei Katalogisierungsarbeiten und ersten Digitalisierungsversuchen geholfen hatte.
Ort: Steigertahlstraße Personen: Flechsig, Rudi; Grotsch, Friedrich; Ulrich, Hans-Joachim; Zimmermann, Carsten; Sievers, Holger






