Werbung: Musik von W.O.P. Oberpottkamp, Limmerstraße 2c, 1954

Polydor Musiktruhe

Die Polydor-Musikrevue wurde in den 1950er-Jahren von der Schallplattenindustrie herausgegeben, um über die Neuerscheinungen und das Angebot im Bereich der Unterhaltungsmusik zu informieren. Auf der letzten Seite wurde in der Regel für Abspielgeräte geworben. Auf einem rötlichen Fond (Polydor-Farbe) hatten die Musikgeschäfte die Möglichkeit, ihren Firmennamen und die Adressen der Ladengeschäfte einzudrucken bzw. zu stempeln, um den Prospekt dann kostenlos an die Kunden abzugeben. Hier: 
Musik von W.O.P. Oberpottkamp. Das große Musik- und Radiofachgeschäft.

W.O.P. Oberpottkamp hatte Mitte der Fünfziger Jahre drei Geschäfte in Hannover. Zwei lagen in der Innenstadt, eines im Drachentöterhaus in der Georgstraße 10 (bis 1966, dann Kaufhaus Brinkmann)  und eines in der Schillerstraße 23 (Neben Wollkamp). Das Geschäft in Linden befand sich am Anfang der Limmerstraße, neben der Lindener Apotheke Baumeister. 1950 war die Lindener Filiale von W.O.P. Oberpottkamp als Geschäft für Radiogeräte, Schallplatten und Musikinstrumente noch in der Limmerstraße 26 zu finden, was aus Annoncen in den Programmheften des Thalia-Theaters hervorgeht (siehe Programm Land des Lächelns oder Saison in Salzburg).

Der Umzug in die Limmerstraße 2c muss kurz danach erfolgt sein, denn im Adressbuch 1952 ist Oberpottkamp zusammen mit der Polsterei W. Hoffmann und dem Feinkostgeschäft B. Waag bereits unter Limmerstraße 2c eingetragen. Später gab es in Linden noch eine weitere Filiale, das Geschäft W.O.P. Musikinstrumente in der Deisterstraße 15 (siehe Polydor-Musikrevue Nov. 1955 und AdrB 1962, Branchen, S. 559). Leicht zu verwechseln war W.O.P. Oberpottkamp übrigens mit dem Geschäft von Karl Oberpottkamp am Weißekreuzplatz. 

Viele ältere Lindener kennen Oberpottkamp in erster Linie als Musik, Schallplatten- und Rundfunkgeschäft. Gegründet wurde das Unternehmen (laut Wikipedia) 1921 als Einzelhandelsunternehmen für Elektrogeräte, Fahrräder und Alles rund um die Musik. Aus einer Annonce in der Festschrift zum 1. Deutschen Arbeiter-Sängerbundfestes 1928 auf S. 151 geht hervor, dass die Choraufnahmen des Deutschen Arbeiter-Sängerbundes in höchster Vollendung nur auf Homochord-Electro-Musikschallplatten bei Musik-Oberpottkamp, Hannover erhältlich waren. 

Später wurde die Angebotspalette erweitert, es kamen noch die Felder Elektro, Beleuchtung und Nähmaschinen dazu (siehe Anzeige im AdrB 1958, Branchen, S. 513). Eine besondere Vorliebe hatte Wilhelm Oberpottkamp für Fahrräder, er war ein „Fahrrad-Freak“, wie man heute sagen würde. Er konstruierte und baute eigene Fahrrad-Modelle und auch Mopeds. Bekanntheit erlangte sein Modell Rubin, das 2007 von zwei Sammlern restauriert und dem Historischen Museum in Hannover übergeben wurde. Selbstverständlich gehörten Fahrräder auch zum Sortiment im Geschäft in der Limmerstraße. Das ist insofern bemerkenswert, als es 1952 (laut AdrB) auf der Limmerstraße fünf weitere Fahrradgeschäfte und eine Fahrrad-Reparaturwerkstatt gab, also zusammen mit Oberpottkamp sieben (!) Läden rund ums Fahrrad:

Willi Kirmaier, Limmerstraße 21
Jonny Schertel, Limmerstraße 32
August Malle (Fahrrad-Reparaturwerkstatt), Limmerstraße 34
August Raupers, Limmerstraße 60
Paul Schnitter, Limmerstraße 51-53
Herbert Aschemann, Limmerstraße 98

Wie in Linden das Geschäft mit Musiktruhen lief, kann nur vermutet werden. Sehr viele können es nicht gewesen sein. Waren schon einzelne Plattenspieler immer noch ein Luxusgut, so konnten sich die teuren Kombigeräte mit Radio und Plattenspieler (mit Plattenwechsler) nur wenige Menschen leisten. Mehr zu den Preisen und auch Musikbeispiele finden Sie im Artikel Musik aus Truhen und Schränken.
(WE)

Urheber: Polydor
Sammlung: Engel / Franke
Zeitliche Einordnung: 1954
Ort: Limmerstraße 2c ; Deisterstraße 15
Personen: Oberpottkamp, Wilhelm