Ansichtskarte: Gummiwerke Excelsior, Der Überfall, um 1916
signiert Paul Simmel, Karte ungelaufen
Spätestens seit Beginn des 1. Weltkriegs entwickelte sich die Postkarte zum wirkungsvollsten Instrument der politischen Massenpropaganda. Zeitgleich hatte sich die Postkarte als zentrales Mittel in der Werbung durchgesetzt. Mit der Gestaltung von Werbeparolen und kleinen Bildergeschichten auf Ansichtskarten wurden oft bekannte Künstler beauftragt.
Für die Hannoverschen Gummiwerke Excelsior A.G. Hannover-Linden schuf Paul Simmel (1887 – 1933) eine Serie von Werbe-Karten. Der Künstler war zu Beginn des 1. Weltkriegs gerade mit seinem Kunststudium fertig und noch relativ unbekannt. Erst in der Weimarer Zeit entwickelte er sich zu einem der bekanntesten deutschen Karikaturisten, der für mehrere große Berliner Blätter arbeitete. Auch als Buchillustrator erlangte er Bedeutung.
Alle Simmel-Karten der Excelsior stammen aus der Zeit des Ersten Weltkriegs. Die Illustrationen zeigen deutsche Soldaten, die locker und entspannt mit allen Problemen im Krieg fertig werden. Mit seinen Darstellungen liegt Simmel voll im Trend kriegsverherrlichender kleiner Bildergeschichten.
Die Karte „Der Überfall“ zeigt einen Lastwagen, voll beladen mit Excelsior-Reifen. Drei uniformierte Deutsche haben sich hinter dem Wagen verschanzt und verteidigen die umkämpfte Ladung: „Der ganze Wagen voll Excelsior-Reifen. Da wird bis aufs Messer gekämpft!“
Weitere Ansichtskarten aus der Simmel-Serie:
- Deutsche Technik
- Qualität
- Panje Kosak, det hat doch keen Zweck
- Der kugelsichere Mantel
- Doppeltes Jubiläum
Die Karte Der kleine Vandale ist nicht signiert und zeigt statt der bei Simmel obligatorischen Soldaten einen kleinen Jungen.
Siehe auch Ansichtskarten von H. Schütz.
1999 veranstaltete das Stadtarchiv Hannover die Ausstellung „Serbien muss sterbien" mit Bild- und Feldpostkarten aus dem Ersten Weltkrieg. Die HAZ (3.8.1999) befasste sich ausführlich mit der Ausstellung in einem Bericht mit zahlreichen Abbildungen. Außer den Hannoverschen Gummiwerken Excelsior in Linden waren auch bekannte hannoversche Firmen wie Pelikan oder Bahlsen aktiv in der Postkarten-Kriegspropaganda. Das Neueste vom Kriegsschauplatz (siehe Feldpostkarte von Günther Wagner v. 12.9.1916) wurde natürlich mit Pelikan-Tinte geschrieben. Und im Schützengraben durfte der Leibniz-Keks nicht fehlen (siehe Feldpostkarte gelaufen, vermutlich 1916, Datumsstempel nicht zu entziffern).
(WE)
Ort: Wunstorfer Straße 130 Personen: Simmel, Paul






