Foto: Blauer Ultramarin, 2025

Lapis Lazuli Gestein, auch Ultramarin genannt

Was hat dieses wunderschöne blaue Gestein mit Linden zu tun?

Bei dem Begriff „Ultramarin“ denkt man sofort an die Textilindustrie, Färbereien und die Farbenfabrik von Georg Egestorff. Dort wurden die farbgebenden Komponenten von Ultramarin synthetisch hergestellt. Doch was ist das überhaupt für ein Stoff, der zeitweise teurer als Gold war?

Lapis Lazuli ist schon seit dem Altertum ein begehrter Schmuckstein. Die bekanntesten Lapisvorkommen liegen im westlichen Hindukusch in der Provinz  Badaghshan im Osten Afghanistans. Unser Stück stammt aus Sar-e-Sang.

Die Minen dort werden seit über 5000 Jahren abgebaut. Die Abbaustollen liegen auf 1500 bis 5000 Meter Höhe. Marco Polo kam 1273 auf seinem Weg nach China in die Nähe der Vorkommen und schrieb darüber: Es gibt auch Berge im Lande, in welchen man Adern des Steines Lapis Lazuli findet, welcher die Azurfarbe liefert. Sie sind die besten in der Welt.

Diese Schmucksteine waren besonders beliebt im Zweistromland. Man glaubte, solche kostbaren blauen Steine hätten übelabwehrende Eigenschaften und würden das Böse vom Menschen abwenden. Man gab sich auch schon große Mühe, diese kostbaren Steine selbst herzustellen. Archäologische Funde aus dem 15./14. Jh. v. Chr. zeigen, dass dies den Glasmachern bereits damals gelang. Solche kleinen Glasstücke mit etwas blauer Farbe wurden damals als „Lapislazuli aus dem Ofen“ bezeichnet – im Gegensatz zu „Lapislazuli aus dem Gebirge“.

Auch im Kunstbereich war fein gemahlener Lapis Lazuli als ganz intensive blaue Farbe immer hoch begehrt. Ultramarin wurde früher als Farbe eingesetzt, aber auch als Wäscheblau. Dieser Zusatz lässt Wäsche mit leichtem Gelbstich strahlend weiß erscheinen.    

Die chemische Analyse von Lapislazuli gelang 1806 dem französischen Chemiker Nicolas Clement. Vereinfacht ausgedrückt handelt es sich um ein Alumosilikat mit wechselndem Gehalt an Schwefel. Die Herstellung von synthetischem Ultramarin gelang in den 1820er-Jahren.

Aufbauend auf diesen Erkenntnissen, hat Georg Egestorff 1862 die Farbenfabrik zur Herstellung von Ultramarin gegründet. Sie war das letzte Glied in seiner Unternehmenskette. Die wichtigsten Ausgangsprodukte für das synthetische Ultramarin konnte er in der 1839 gegründeten Chemischen Fabrik in Linden selbst erzeugen. Das betraf vor allem das Produkt Soda. Schließlich war sein Werk noch 1855 die einzige Sodafabrik im Königreich Hannover.

Das Gelände der Ultramarinfabrik lag in der Davenstedter Straße 59, dort, wo heute der Schnellweg über die Straße führt. 1931 wurde das Werk stillgelegt.
(DF)

siehe auch:
- Firmenporträt: Vereinigte Ultramarinfabriken, 1927, aus „Das Buch der alten Firmen der Stadt Hannover“
- Firmenporträt: Aktien-Gesellschaft Georg Egestorff´s Salzwerke, 1891, aus „Hannovers Großindustrie & Großhandel“, geschildert von Paul Hirschfeld
und zum Blauen Montag

Urheber: Franke, Dietmar
Lizenz: CC0
Sammlung: Engel / Franke
Zeitliche Einordnung: 2025
Ort: Davenstedter Straße 59
Personen: Egesttorff, Georg